Studie „Gesundheitsstandort Baden-Württemberg: Stärken und außenwirtschaftliche Potenziale“
Auf der Basis statistischer Auswertungen, explorativer Interviews und einer breit angelegten schriftlichen Befragung werden die außenwirtschaftlich relevanten Segmente der Gesundheitswirtschaft Baden-Württembergs hinsichtlich ihrer Stärken und außenwirtschaftlicher Potenziale untersucht und darauf aufbauend die außenwirtschaftlichen und standortpolitischen Strategieoptionen systematisiert.

Die Studie wurde im Auftrag des Finanz- und Wirtschaftsministeriums vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) im Zusammenwirken mit dem Institut für Arbeit und Technik (IAT) und ISW Consult erstellt.
Die wesentlichen Ergebnisse der Studie:
- Die Studie konzentriert sich auf folgende außenwirtschaftlich relevante Segmente: Gesundheitsindustrie (Medizintechnik, Biotechnologie und Pharmazeutik), Stationäre Versorgungseinrichtungen (dies sind mit Fokus auf den Gastpatientenimport insbesondere Krankenhäuser, Reha- und Versorgungskliniken) und angrenzende Dienstleistungen (insbesondere sog. strategische Dienstleistungen, die nach einem „Alles aus einer Hand Modell“ gesamte Infrastrukturen planen bzw. bereitstellen). Darüber hinaus werden die Exportchancen von sog. branchenübergreifenden Systemlösungen thematisiert.
- Die drei Segmente der Gesundheitsindustrie sind sowohl binnenwirtschaftlich als auch was ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit angeht, gut aufgestellt. Allerdings ist festzuhalten, dass die Medizintechnik auf der einen Seite und die pharmazeutische Industrie sowie die Biotechnologie auf der anderen Seite weitgehend getrennte Märkte verkörpern.
- Die sog. strategischen Dienstleister im Zusammenhang mit der Erstellung bzw. dem Betreiben von Gesundheitsinfrastrukturen haben ihren Schwerpunkt bei der IT bzw. der Architektur/Bauleitplanung.
- Besonders für „ambitionierte“ Schwellenländer könnten branchenübergreifende Systemlösungen interessant sein. Im Extremfall würde dies - ggf. indikationsbezogen – die Wertschöpfungskette der gesamten medizinischen Versorgung abdecken: Vorsorge > Prävention > Diagnose > Therapie > Reha > Nachsorge.
- Die baden-württembergische Stärke bei den Gesundheitsindustrien gilt es künftig nicht nur zu stärken, sondern weiter auszubauen. Dafür ist der Export auch in weniger vertraute Zielregionen künftig verstärkt ins Auge zu fassen. Besonderes Wachstumspotenzial wird dabei den Schwellenländern, insbesondere den sog. BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) zugeschrieben, die sich aufgrund ihrer Bevölkerungszahl, der Bevölkerungszunahme und des Wirtschafts- wie Einkommenswachstums als Nachfrager nach Gesundheitsleistungen besonders stark entwickeln werden.
Analyse der Stärken der baden-württembergischen Gesundheitsbranchen:
Die Stärken Baden-Württembergs liegen schwerpunktmäßig auf den sog. Gesundheitsindustrien. Speziell in der Medizintechnik schlägt sich die besondere Stärke nieder: die hohe Dichte an Engineering-Kompetenz in Verbindung mit weiteren Branchen und Technologiefeldern. Die gesamte Bandbreite von Einzelinstrumenten bis zu komplexen Systemen wird von rund 880 Unternehmen und Betrieben im Land abgedeckt. Die pharmazeutische Industrie des Landes ragt gleichfalls im Vergleich der Bundesländer heraus. Sie ist - anders als die medizintechnische Industrie - deutlich stärker von Großunternehmen geprägt. Rund 90 % der Beschäftigten sind in 20 großen Unternehmen tätig, rund 130 kleine und mittlere Pharmaunternehmen sind als Spezialisten in Nischenmärkten angesiedelt. Die spezifische baden-württembergische Produktpalette in der Pharmazie umfasst weniger fertige Arzneiwaren als vielmehr Wirkstoffe, Seren, Diagnostika, Blutprodukte etc. Auch der Biotechnologie-Standort Baden-Württemberg liegt nach der Anzahl der Unternehmen (rund 80) auf dem zweiten Platz in Deutschland.
Zu Baden-Württembergs Stärken im Gesundheitsbereich zählen weiterhin die Kliniken und Krankenhäuser sowie Reha- und Vorsorgeeinrichtungen, welche sich auf einem im internationalen Vergleich hohen Level befinden. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft des Landes (insgesamt rund 590.000 Beschäftigte im Jahr 2009 nach Angaben des Statistischen Landesamtes). Mit 248.000 Beschäftigten übertreffen die Gesundheitseinrichtungen (stationäre und teilstationäre Gesundheitsversorgung) die „Gesundheitsindustrien“ Medizintechnik, pharmazeutische Industrie und Biotechnologie, die zusammen auf rund 70.000 Beschäftigte kommen. Einen weiteren bedeutenden Beschäftigungsanteil stellt die ambulante Gesundheitsversorgung mit über 220.000 Beschäftigten.
Merkliches Gewicht in der Gesundheitswirtschaft haben auch die strategischen Dienstleister, welche im Zusammenhang mit dem Bau von Gesundheitseinrichtungen (System- oder Komplettlösungen) beratende, planende, steuernde und koordinierende Dienste erbringen.
Analyse der außenwirtschaftlichen Ausrichtung in den starken Bereichen:
Deutschland ist bei pharmazeutischen Produkten und Arzneiwaren der weltweit größte Exporteur. Im Export von Medizintechnik liegt Deutschland weltweit an zweiter Stelle hinter den USA. Baden-Württembergische Unternehmen sind im Bereich medizintechnischer und pharmazeutischer Produkte mit einem Anteil am gesamtdeutschen Export von knapp 30% in einer sehr guten Ausgangsposition.
Auch die strategischen Dienstleister sind zum Teil bereits internationalisiert und wollen ihre internationale Ausrichtung auch noch weiter vorantreiben.
Analyse der Auslandsmärkte:
Die Analyse der Auslandsmärkte in den o.g. Gesundheitsindustrien ergab, dass an erster Stelle ungebrochen die EU-Länder stehen, und zwar quer über alle Branchen hinweg. Bei den EU-Ländern dominieren die westeuropäischen, allen voran Frankreich. Für die Biotechnologie liegt der US-amerikanische Markt an gleicher Stelle, für die Medizintechnikunternehmen etwas hinter dem EU-Markt. Für die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie stehen Russland, das sonstige Osteuropa und China noch vor Nordamerika. Durchgängig zeigte sich, dass die kleineren Unternehmen die Potenziale der EU-Märkte deutlich höher einstufen als die größeren Unternehmen. Die Potenziale der wachsenden Schwellenländer und vergleichbarer Länder/ Regionen werden zwar insgesamt durchaus gesehen, rangieren aber eindeutig hinter den hoch entwickelten Industrieregionen. Laut den Verfassern der Studie wird gerade in diesen Märkten aber ein besonderes Zukunftspotenzial erblickt. Für kleine Unternehmen, die häufig in den Export erst „hineinwachsen“, stellen die EU-Länder jedoch nach wie vor fast immer die erste und zum Teil auch einzige Option dar.
Auch bei den strategischen Dienstleistern nehmen die EU-Länder eine herausragende Stellung ein. Insbesondere hier werden auch weitere Wachstumspotenziale gesehen (einschließlich Osteuropa). Einige wenige Unternehmen sind noch in den USA und China vergleichsweise stark vertreten.
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner
Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg(MFW)
Postfach 10 14 53
70013 Stuttgart
- Thema: „Bewerbung des Gesundheitsstandortes Baden-Württemberg“
Adelheid Ziemann
Referat Standort Baden-Württemberg
Tel.: 0711/123- 2151
E-Mail: Adelheid.Ziemann [] mfw.bwl.de
- Thema „Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft“
Dr. Doris Fernholz
Referat Außenwirtschaft
Tel.: 0711/123- 2470
E-Mail: Doris.Fernholz [] mfw.bwl.de
- Thema: „Gesundheitswirtschaft“
Konrad Roth
Referat Dienstleistungswirtschaft, Finanzierung der Wirtschaft
Tel.: 0711/123-2053
E-Mail: Konrad.Roth [] mfw.bwl.de
Steffen Rentschler
Referat Dienstleistungswirtschaft, Finanzierung der Wirtschaft
Tel.: 0711/123-2736
E-Mail: Steffen.Rentschler [] mfw.de


