Dienstleistungswirtschaft Baden-Württemberg
Nach Angaben der OECD repräsentiert die Dienstleistungswirtschaft bereits 70 % des gesamten BIP sowie der Beschäftigung in der Bundesrepublik. Damit stellt die Dienstleistungswirtschaft den Motor für Wachstum und Beschäftigung dar. Besonders beeinflusst wurde dieser Trend durch die Auswirkungen des Strukturwandels oder auch des demographischen Wandels.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit bietet hierzu weitere Informationen.
Für Baden-Württemberg kommt der Dienstleistungswirtschaft ebenso eine bedeutende Rolle bezüglich Wachstum und Beschäftigung zu. (Chart1):
- Der Dienstleistungssektor ist seit 1991 mit 32% wesentlich dynamischer gewachsen als die Gesamtwirtschaft mit nur 17%,
- er trägt heute in Baden-Württemberg mit 63% zu der gesamten Wertschöpfung bei und
- er hat seit 1991 mit einer Zunahme der Erwerbstätigen um fast 640.000 die Beschäftigung um 23% gesteigert, das waren vier mal soviel wie die Gesamtwirtschaft.
Und so soll nach Prognos die Entwicklung bis 2020 in Deutschland aussehen:
Die Erwerbstätigkeit nimmt in den Branchen des Dienstleistungssektors (Handel, Gastgewerbe und Verkehr; Finanzdienstleistungen, Immobilienwirtschaft und unternehmensnahe Dienstleistungen sowie private Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Kultur, Bildung und Soziales) auch künftig überdurchschnittlich – wenn auch mit niedrigeren Raten – weiterhin zu.
Am höchsten sollen die jährlichen Zuwachsraten im Bereich der Finanzdienstleistungen, der Immobilienwirtschaft und der unternehmensnahen Dienstleistungen sein (Chart 2).
Nach einer Analyse des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung, IAW Tübingen, ist die positive wirtschaftliche Entwicklung Baden-Württembergs einerseits in der herausragenden Stellung und der hohen Leistungsfähigkeit des industriellen Sektors des Landes begründet. Andererseits zeichnet den gesamten Dienstleistungsbereich ein im Vergleich zur Industrie stark überdurchschnittliches Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum aus. So ist die reale Bruttowertschöpfung des Dienstleistungssektors in Baden-Württemberg zwischen 1991 und 2002 fast doppelt so stark wie die Gesamtwirtschaft gewachsen, während das Verarbeitende Gewerbe (Industrie) seit dem Einbruch in der ersten Hälfte der 90er Jahre fast wieder den Wert des Jahres 1991 erreicht hat.
Die Wertschöpfung wichtiger Dienstleistungsbranchen ist seit 1991 wie folgt gewachsen:
- Verkehr und Nachrichtenübermittlung (Telekommunikationsdienste) um 76%,
- Finanzierungs- und Unternehmensdienstleister um 44%,
- Gesundheitsdienste und Soziales um 49%
Das stark überdurchschnittliche Wachstum der Wertschöpfung des gesamten Dienst- leistungbereiches im Vergleich zur Industrie hat zu einer deutlichen Erhöhung des Anteils des Dienstleistungssektors an der Gesamtwirtschaft von 55,5% auf 63% in Baden-Württemberg geführt. Inzwischen tragen die Branchen Finanzdienstleistungen (Kreditwirtschaft und Versicherungen), Vermietung, Immobilienwirtschaft und unternehmensnahe Dienstleistungen mit 81 Mrd. Euro (29%) ebensoviel zu der Gesamtwertschöpfung des Landes bei wie die gesamte Industrie (Chart 3).
Die Dienstleistungen waren die Wachstums- und Beschäftigungsgewinner. Das gilt vor allem für die wissensintensiven und unternehmensnahen Dienstleistungen (Datenverarbeitung, Softwareentwicklung, Informations- und Kommunikationsdienste, Forschung und Entwicklung, technische Dienstleistungen, Architektur und Ingenieur-dienste, Finanzdienstleistungen), die zum Teil durch Verlagerung aus den Unternehmen heraus entstanden sind. Wissensintensive und unternehmensnahe Dienstleistungen bildeten mit der leistungsfähigen Industrie des Landes das für Baden-Württemberg typische und äußerst erfolgreiche enge Netzwerk. Darüber hinaus wurden auch die personenorientierten Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheitswirtschaft und Freizeitwirtschaft (Tourismus, Sport und Kultur) zunehmend zu Wachstums- und Beschäftigungsträgern.
Die positive Entwicklung der Dienstleistungswirtschaft in Baden-Württemberg zeigt sich noch deutlicher bei der Entwicklung der Erwerbstätigen im Ländervergleich mit Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen: Mit einer Zunahme der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor um 23,4% liegt Baden-Württemberg mit Nordrhein-Westfalen (+24,3%) in der Spitzengruppe vor Bayern mit 20,4% und Hessen mit 20,6%. Zusammen mit einer bundesweit gesehen günstigeren Beschäftigungsentwicklung in der Industrie haben in Baden-Württemberg die Dienstleistungen die Beschäftigung in der Gesamtwirtschaft zwischen 1991 und 2002 um 5,5 % gesteigert. Mit diesem Spitzenplatz in der Beschäftigungsentwicklung liegt Baden-Württemberg deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 0,6% (Chart 4).
Beispiele für unternehmensnahe Dienstleister sind in Baden-Württemberg im Bereich Forschung und Entwicklung die Bertrandt AG, für die DV-Dienste und Softwarehäuser SAP, GFT Technologies AG, Bechtle, für die Unternehmensberatung und Marktforschung Cap Gemini Ernst & Young, Horvath, für die Architektur- und Ingenieurbüros die Braschel AG, b.i.g.-Gruppe, Dress & Sommer, für technische Dienstleistungen die DEKRA AG, für Leasing die SüdLeasing GmbH und Grenkeleasing AG. Auch bei den unternehmensnahen Dienstleistungen liegt Baden-Württemberg mit einem Zuwachs von über 80% in der Spitzengruppe der Länder.
Die Stärke Baden-Württembergs bei den unternehmensnahen Dienstleistungen zeigt sich auch an deren Anteil von 18% an den Erwerbstätigen des gesamten Dienstleistungssektors. Baden-Württemberg liegt damit auf Platz 2 im Ländervergleich.
Das Statistische Bundesamt sowie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg untermauern die genannten zusammenhänge durch die erstmals im Jahr 2000 einheitlich geführte Dienstleistungsstatistik. Daneben beschäftigen sich Forschungsinstitute und Lehrstühle an Universitäten verstärkt mit Dienstleistungsthemen. Wir haben ihnen in der angeschlossenen Linksammlung hierzu eine Übersicht zusammengestellt.
Dienstleistungsforschung und Projekte
- DL2100.de ist eine vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) getragene Community-Plattform, die aus den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekten im Rahmen der Initiative „Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert“ hervorgegangen ist. Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft treffen sich hier um Erfahrungen und Projektergebnisse auszutauschen.
Lehrstühle an Hochschulen
- Lehrstuhl für Dienstleistungsmarketing an der Katholischen Universität Eichstätt, Prof. Dr. Bernd Stauss


